Home Aktuelles Letzter Tag des "Offenen Denkmals" für die Agricola-Schule - Und weg!

Letzter Tag des "Offenen Denkmals" für die Agricola-Schule - Und weg!

 

Nach ersten Recherchen des Stadtforums Freiberg beim Sächsischen Staatsministerium des Inneren gibt es erste interessante Details zu dem beschlossenen Komplettabriss des denkmalgeschützten Gebäudes. Obwohl das Landesamt für Denkmalpflege in Dresden den Erhalt von nur zwei Fassaden, die sparsam mit Jugendstilelementen verziert sind, gefordert hat, haben sich Verantwortliche der Stadt Freiberg dafür nicht kompromißbereit gezeigt. Angeblich können bei gestiegenen Schülerzahlen und durch Richtlinien des Förderprograms "EFRE" keine zwei Fassaden erhalten werden. Beispiele für solche architektonische Lösungen gibt es in Sachsen jedoch genügend.

Die nun weiteren aufgeworfenen Fragen müssen dringend erörtert werden. Demnächst berichten wir hier wieder.

 

 

Hier die damalige Ausschreibung für den geplanten Neubau.

 

https://www.competitionline.com/de/ergebnisse/217816

 

 

Die offenen Fragen sind jetzt Thema in einer "Kleinen Anfrage" des Sächsischen Landtages geworden. Es soll u.a geklärt werden, ob trotz Erhalt von zwei denkmalgeschützten Fassaden Fördermittel aus dem Programm "EFRE" für den Neubau der Schule möglich gewesen wären. Zudem ist es interessant, welche Fördermittel aus einem Programm "Denkmalschutz" die Stadt Freiberg hätte beantragen können. Mit Sicherheit hat die Stadt Freiberg sich im Vorfeld der Planungen umfassend informiert,

 

 

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=6472&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=0 

 

 

In der heutigen Ausgabe kann man eine Erklärung der Stadtverwaltung Freiberg finden, warum die Agricola- Schule definitiv abgerissen wird. Auch findet man den Hinweis, dass es Proteste von Bürgern gegeben hat.

 

http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/FREIBERG/Agricola-Schule-wird-definitiv-abgerissen-artikel9645002.php 

 

Es wird Zeit, Klartext zu reden:

1. Bisher war in keinem Medium Protest von Gegnern des Komplettabriss zu lesen außer auf dieser Internetseite.

2. Die Recherchen des Stadtforums Freiberg beim Sächsischen Staatsministeriums des Innern und in der Landesdirektion Sachsen sowie die "Kleine Anfrage" im Landtag von Sachsen werden auch die Stadt Freiberg erreicht haben und man fühlte sich "befleißigt" eine Erklärung abzugeben. Weitere Recherchen werden dennoch folgen.

3. Die Einstellung von manchen Verantwortlichen zum Denkmalschutz ist hinlänglich bekannt.

4. Das Argument "Nichtfinanzierbarkeit" kennen die Freiberger schon von der vorschlagenen Untertunnelung der Stadtmauer für die Einfahrt zum Parkhaus Fischerstrasse. Die damals genannten Summen entsprachen nicht den Tatsachen, schließlich gab es dazu eine konkrete Planung der RWR. Deshalb muß auch bei der Agricolaschule dringend recherchiert werden, was der Mehraufwand für den Erhalt von zwei Fassaden (nicht Teilerhalt !!!) wirklich gekostet hätte (laut Presseartikel 1,5 Mill Euro ???). Vielleicht hätte es trotzdem Fördermittel von EFRE und dem Förderprogramm "Städtebaulicher Denkmalschutz" gegeben.  Dazu müssen auch einmal andere Planungsbüros befragt werden.

5. Der Erhalt von zwei Fassaden der alten Schule behindern keinesfalls ein modernes "Innenleben" der neuen Schule. Eine Erweiterung de Gebäudes in Richtung Strasse ist sowieso nicht möglich.

6. Der Denkmalschutz in Sachsen hat "auch einmal zurückgestanden". Seit 2000 wurden im Land 5000 Denkmale abgerissen. Der Denkmalschutz in Freiberg "hat auch einmal zurückgestanden": Vernichtung spätgotischer Keller u.a. wertvoller Teile im Schloß Freudenstein (auf Betreiben des damaligen Regierungspräsidenten), Abriß Franz- Mehring- Platz u.a. Objekte im Rahmen "Stadtumbau Ost" (die Hintergründe und die Verantwortlichen sind hinlänglich bekannt), Durchbruch Stadtmauer und Abriß Fischerstrasse 21 (an der Chronologie wird gearbeitet) usw. usw.

7. Die vielen Erfolge im städtebaulichen Denkmalschutz können nicht ewig als Argument für immer und immer neue Abrisse herhalten. Im übrigen sind viele lobenswerten Sanierungen durch Privatinitiativen entstanden.

 

 

 

Die ewig gleichen Begründungen für die Abrisse von Denkmalen "Schandfleck, marode, verschlissen" kann man kaum noch glauben. Die zwei zu erhaltenden Fassaden an der Agricola-Schule sind nicht mehr und nicht weniger verschlissen, als diejenigen, die man nach der Wende in der Altstadt von Freiberg gesehen hat.

 

http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/FREIBERG/Neubau-Agricola-Schule-Fragen-zum-Abriss-artikel9653399.php 

 

 

Die "Kleine Anfrage" zum Abriß der Schule im Sächsischen Landtag wurde durch das SMI beantwortet.

 

 

http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=6472&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=0 

 

http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/FREIBERG/Agricola-Schule-Aus-Alt-mach-Neu-artikel9655987.php 

 

http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/FREIBERG/Agricolaschule-Stadt-widerspricht-Innenminister-artikel9657184.php 

 

 

Doch es tauchen neue Fragen auf. Sollte sich ein Ministerium so geirrt haben, das es schreibt, die 'Untere Denkmalschutzbehörde' in Freiberg habe dem Abriß nicht zugestimmt? Warum ist es für die Stadt überhaupt so wichtig, in der Zeitung extra eine Klarstellung zu platzieren, das sie zugestimmt hätte? Passt dies zu der Berufsauffassung einer Denkmalschutzbehörde, sogleich einen Komplettabriß zuzustimmen? Dieser Vorgang wird demnächst unbedingt geklärt werden müssen

 

Sowohl vom SMI als auch von der Landesdirektion in Chemnitz war bisher war nicht zu erfahren, ob es für den Erhalt der zwei Fassaden Fördermittel gegeben hätte.

Zudem ist der geplante Neubau extrem gewögnungsbedürftig für diesen Stadtteil von Freiberg. In einer sich schnell verändernden Welt identifizieren sich die Bürger eher mit ihren alten Baudenkmalen als mit solchen architektonischen Lösungen. Wäre ein anderer Standort nicht viel besser gewesen?

 

 

 

Nach einer erneuten Nachfrage zu diesem Thema bei der Landesdirektion in Chemnitz gab es u.a folgende Aussagen:

"Im vorliegenden Fall hat das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) dem beantragten Abbruch nicht zugestimmt, sodass es der unteren Denkmalschutzbehörde verwehrt war, die beantragte denkmalschutzrechtliche Genehmigung zu erteilen. In dieser Konstellation konnte sich die Stadt Freiberg als untere Denkmalschutzbehörde (und gleichzeitig Bauherr mit Abrißabsichten, Anm. d. Autors) entweder dem Votum des LfD anschließen und die beantragte Genehmigung versagen oder aber, soweit sie den Antrag als genehmigungsfähig ansah, den Vorgang im Wege des sog. Dissenzverfahrens an die Landesdirektion Sachsen zur Entscheidung geben (vgl. § 4 Abs. 2 Satz 2 SächsDSchG). Letzteres hat die Stadt mit Oberbürgermeister- Schreiben unter Hinweis darauf getan, dass ein Denkmalerhalt ihrer Auffassung nach namentlich wegen ernsthafter Gefährdung der Erfüllung ihrer Aufgaben als Schulträger rechtlich nicht zumutbar sei.Wegen zwei Fassaden???????????

 

"Vor diesem Hintergrund mag man daran denken, dass mit der angesprochenen Formulierung in der Antwort auf die kleine Anfrage lediglich zum Ausdruck gebracht werden sollte, dass die untere Denkmalschutzbehörde eine Genehmigung nicht erteilt hat, was auch zutrifft."

 

 

 

Das alte Gebäude der Agricola- Schule isrt nun Geschichte.

 

http://www.freiepresse.de/LOKALES/MITTELSACHSEN/FREIBERG/Mit-der-Agricola-Schule-weichen-auch-die-Bilder-von-der-Hasenschule-artikel9851993.php 

 

 

 

 

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Aktualisiert (Sonntag, den 12. März 2017 um 16:52 Uhr)

 

Kommentare 

 
+2 #1 Michael Milew 2016-09-17 10:22
Warum der Erhalt von zwei Fassaden der Gestaltung einer Schule mit gestiegenen Schülerzahlen und dem Erhalt von EFRE Fördermitteln entgegenstehen soll ist nicht wirklich schlüssig. Die zu erhatenden Fassaden könnten zum Beispiel gestalterisch locker in neue, der neuen Größe der Schule entsprechenden Fassaden integriert werden - das könnte doch einen spannenden Kontrast ergeben.
Ist den überhaupt schon einmal ein Entwurf zur Schule veröffentlicht worden?
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